Empfehlungen zur umfassenden Risikoverringerung für Patienten mit koronarer Herzerkrankung, Gefäßerkrankungen und Diabetes mellitus.

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 2001

Diese Empfehlungen gelten:

Für Patienten mit der Diagnose einer KHK (z.B. typische Angina pectoris, Hinweise für abgelaufenen Infarkt, ischämietypische Veränderungen in einer Belastungs Untersuchung, angiographisch nachgewiesenen Veränderungen) oder Dokumentation einer Atherosklerose in anderen Gefäßgebieten (z.B. Becken-Beinarterien oder Carotiden), aber auch für Diabetiker ohne manifeste Gefäß-Erkrankungen (Primärprävention).

Durch konsequente Umsetzung von präventiven Maßnahmen wird nachweislich die Prognose und die Leistungsfähigkeit bei diesen Patienten verbessert.

Die Umstellung des Lebensstiles und die Kontrolle der Risikofaktoren hat prognostisch mindestens dieselbe Bedeutung wie alle anderen therapeutischen Maßnahmen.

Hierdurch hat der Patient selber die Möglichkeit, aktiv den weiteren Verlauf seiner Erkrankung zu beeinflussen.

Die unten angeführten Maßnahmen sollten bei jedem Patienten individuell umgesetzt werden. Erfahrungsgemäß führen diese Empfehlungen alleine nicht zum gewünschten Erfolg. Die Mehrzahl der Patienten benötigt bei der Umsetzung langfristige Hilfe durch den Arzt.

Ziele der Risiko -Intervention:

Rauchen:

Vollständige Aufgabe des Rauchens. - Eindeutige ärztliche Empfehlung, das Rauchen vollständig einzustellen; Einbeziehung des Partners oder der Familie; Vereinbarung eines Termins für den Rauchverzicht. Empfehlung zur weitergehenden Beratung, Verweis auf entsprechende Literatur (Patienten Bücher), Nikotinersatz und Raucherentwöhnugsprogramme, z.B. an den VHS. Die Aufgabe des Rauchens ist die wichtigste Einzelmaßnahme bei Patienten mit Gefäßerkrankungen.

Ernährung: Fettarme antiatherogene Kost

Kaloriengerechte, Ballaststoffreiche (> 20 g pro Tag ), fettarme Kost mit nur geringem Anteil an gesättigten Fetten (< 10 Prozent der Kalorien) und Cholesterin (< 300 mg pro Tag).
Der Verzehr von Fleisch und tierischen Fetten sollte eingeschränkt werden . Die Kost sollte reich an Vollkornprodukten, frischen Gemüsen und Früchten sein mit einem hohen Anteil an Omega 3 Fettsäuren (Seefisch, Walnüsse), wie sie z.B. in der mediterranen oder asiatischen Kost enthalten sind. Moderater Alkoholkonsum( ca. 15 g pro Tag ) hat keine ungünstige Wirkung auf das kardiovaskuläre und das Gesamtrisiko. Bei höherem Alkoholkonsum (größer 30 g pro Tag) nimmt das Gesamtrisiko zu. Bei Frauen liegen die Grenzwerte niedriger.

Übergewicht:

Erreichen des normalen Gewichtes (Body Mass Index kleiner 25) und Elimination der abdominellen Adipositas Kalorienreduzierte Kost. Identifikation der Ursachen des Übergewichtes: Alkohol, versteckte Fette in Wurst, Käse und Fertiggerichten, Schokolade, Kuchen, übermäßiger Obstverzehr (Kalorien!). Zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen ist in aller Regel eine angemessene körperliche Aktivität notwendig. Dies ist besonders wichtig bei Patienten mit Hochdruck, Diabetes mellitus und erhöhten Triglyzeriden.

Hyperlipidämie:

Ideal Ziel: LDL Cholesterin kleiner 100 mg pro Deziliter (2,5 Millimol pro Liter) Erreichen des Normalgewichtes ist wünschenswert, ebenso regelmäßige körperliche Aktivität, besonders bei einem HDL-Cholesterin kleiner 35 mg pro Deziliter. Wenn das LDL Ziel trotz Diät nicht erreicht wird, sollte ein medikamentöse Therapie primär mit Statinen erwogen bzw. eingeleitet werden.

Sekundäre Ziele:

Bewegungsmangel:

Ziel: Mindestens 30 bis 45 min Bewegung vier bis fünfmal pro Woche. 30 bis für 40 min mäßig intensive Bewegung vier bis fünfmal wöchentlich (Gehen, Joggen, Radfahren oder eine andere Ausdauer Belastung) unterstützt durch eine aktivere Lebensweise: Spazierengehen in Arbeits - Pausen, Treppensteigen statt Aufzug, Gartenarbeit.

Ärztlich überwachte Programme für Mittel- bis Hochrisiko Patienten ( Koronargruppe, Übungsgruppe). Die Herzfrequenz sollte bei körperlicher Aktivität stets im ausgetesteten ischämiefreien und beschwerdefreien Bereich liegen. Jedes Mehr an körperlicher Belastung über die Alltags - Aktivität hinaus bringt einen günstigen Effekt.

Erhöhter Blutdruck:

Zielwert ist ein normaler Blutdruck von kleiner 140 / 90 mm Hg.
Allgemeine Maßnahmen: Gewichts- Kontrolle) (1 Kilogramm Gewichtsreduktion führt zu ca. 2 mmHg RR- Senkung), regelmäßige Ausdaueraktivität, Versuch der Alkoholkarenz über sechs Wochen, dauerhafte Limitierung des Alkoholkonsums auf kleiner 30 g Alkohol pro Tag (Frauen kleiner 20 g pro Tag), Versuch der Salz- Restriktion. Hinzufügen von Blutdruckmedikation, individualisiert nach Alter und weiteren Erkrankungen, wenn der RR >140 mmHg systolischen oder > 90 mm Hg diastolisch ist.

Bei Diabetikern sollte ein RR- Wert von um 120 / 80 mm Hg angestrebt werden, bei diabetischer Nephropathie um 120 / 80 mmHg.

Aggregationshemmer/Antikoagulantien:

ASS 100 mg pro Tag.

Bei Kontraindikation gegen ASS eventuell Einstellung mit Marcumar in einem INR Bereich von 2,0 bis 3,0. - Alternativ Clopidogrel, 75 mg pro Tag.

ACE Hemmer:

Zur Verhinderung und Behandlung der Herzinsuffizienz bei eingeschränkter Ventrikel Funktion.

Zur Verminderung Koronarer Ereignisse insbesondere bei Diabetikern und Patienten mit erhöhtem Risiko.

Beta-Blocker:

Bei Post- Infarkt Patienten und Hochrisiko Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion und/oder belastungsinduzierter Ischämie .

Östrogene:

Während eine Neueinstellung einer Hormon- Ersatz -Therapie allein zur Sekundärprävention nicht empfohlen werden kann, sollte eine seit mehr als zwei Jahren bestehende Hormon Ersatz Therapie unter gynäkologischer Kontrolle weitergeführt werden.

Sonstige Maßnahmen:

Für alle nicht in diesen Empfehlungen aufgeführten Maßnahmen, und anderen z.B. Vitamine, Antioxidantien, ist kein sekundärpräventiver Effekt nachgewiesen.