Claudicatio intermittens - die Schaufensterkrankheit

Unter Claudicatio intermittens versteht man Beschwerden, die bei der arteriellen Verschlußkrankheit auftreten. Die AVK (= arterielle Verschlußkrankheit) ist eine Erkrankung der Arterien d.h. der Blutgefäße, die das sauerstoffreiche Blut zum Gewebe (z.B. der Muskulatur) bringen. Am häufigsten sind dabei die Arterien der Extremitäten betroffen. Ausgelöst wird die Erkrankung durch Ablagerungen an den Gefäßwänden wodurch es zu Verengungen der betroffenen Blutgefäße kommt. Diese Gefäßablagerungen bewirken eine eingeschränkte Durchblutung, bis hin zum kompletten Gefäßverschluß.
Die AVK ist eine sehr häufige Erkrankung, etwa 35 % aller 65jährigen sind davon betroffen. Dennoch ist es keine Krankheit, die nur das höhere Lebensalter betrifft, sie kommt auch bei jüngeren Menschen vor.

In 95 % der Fälle ist die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) Ursache für die arterielle Verschlußkrankheit seltener sind es Gefäßentzündungen oder Thromben (= Blutgerinnsel), die zu einem plötzlichen Gefäßverschluß führen.
Ablagerungen in der Wand der Blutgefäße, die man als Arteriosklerose bezeichnet, führen zu einer Verengung des Blutgefäßes und zu einem Elastizitätsverlust; das Gefäß wird dadurch spröde und hart. Diese Gefäßprozesse verlaufen sehr langsam, über Jahre hinweg, der Patient merkt anfangs nichts von diesen Veränderungen. Erst ab einer Einengung von 50 % des ursprünglichen Gefäßdurchmessers treten Beschwerden auf. Die Blutmenge, die das Gefäß durchfließt ist reduziert, es kommt zu Durchblutungsstörungen. Bei körperlicher Anstrengung benötigt die Muskulatur wesentlich mehr Sauerstoff und Nährstoffe als in Ruhe. Dies wird normalerweise durch eine gesteigerte Durchblutung gewährleistet. Kann dieser Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen infolge des geringen Gefäßdurchmessers nicht gedeckt werden, spricht man von Durchblutungsstörungen. Anfänglich treten diese Beschwerden und Schmerzen nur unter körperlicher Belastung auf, später auch in Ruhe.

AVK - sind nur die Arterien der Extremitäten betroffen?

Arteriosklerose ist eine Erkrankung, die nicht nur lokal an einem Gefäß auftritt, sondern meist an allen Arterien. Deshalb bleiben auch die Herzkranzgefäße, die Hirngefäße und Nierenarterien nicht von diesen Gefäßablagerungen verschont. Patienten mit AVK erleiden doppelt so häufig einen Schlaganfall mit bleibenden Schäden wie Gleichaltrige. Ein Viertel aller Patienten mit koronarer Herzkrankheit hat auch eine AVK der Beine.

Bei der AVK unterscheidet man verschiedene Typen, je nachdem ob die Arme, der Beckenbereich oder die Beine betroffen sind.

Risikofaktoren der AVK

Welche Beschwerden macht eine AVK ?

Gefäßeinengungen von mehr als 50 % verursachen Beschwerden. Deshalb treten im Anfangsstadium dieser Erkrankung noch kaum Symptome auf, auch in Ruhe reicht die Blutmenge noch für die Versorgung des Gewebes aus, erst bei körperlicher Anstrengung kommt es zu einem Versorgungsdefizit.
Bedingt durch die schlechtere Durchblutung besonders während körperlicher Belastung (Treppensteigen, langes oder schnelles Laufen) kann das Gewebe nicht mit der erforderlichen Sauerstoff- und Nährstoffmenge versorgt werden. Dies führt zu Schmerzen in dem minderversorgten Gewebe.
Die Patienten reagieren darauf meistens mit Unterbrechung der körperlichen Aktivität, sie bleiben für einige Zeit stehen, was zu der Bezeichnung Schaufensterkrankheit ( = Claudicatio intermittens) geführt hat. Im Laufe der Zeit nehmen diese Schmerzen immer mehr zu, die Gehstrecke, die von den Patienten noch ohne Schmerzen zurücklegt werden kann wird immer geringer. Die Einengung des Gefäßes wird immer stärker bis auch die Durchblutung in Ruhe nicht mehr ausreichend ist.
Infolge der Mangeldurchblutung kommt es sehr schnell zu Hautläsionen besonders an Stellen, die vermehrtem Druck ausgesetzt sind, besonders bei engem Schuhwerk. Betroffen sind meistens Fußballen, Ferse oder Zehen. Infizieren sich diese Druckstellen mit Bakterien oder anderen Erregern, kommt es zu entzündeten nässenden Stellen. Wegen der ungenügenden Durchblutung ist es sehr schwer diese Gewebeschäden zum Abheilen zu bringen und eine Amputation ist oftmals nicht zu verhindern.

Auch bei dieser Erkrankung können durch genaue Erhebung der Vorgeschichte und durch einfache Tastung der Pulse und Messung der Blutdrucke richtungsweisende Aussagen erhalten werden.
Das farbkodierten Ultraschall-Doppler-Verfahren der peripheren Gefäße, verbunden mit der Messung der Blutdrucke, lässt die Schwere der Erkrankung einschätzen.
Die röntgenologische oder kernspintomographische Darstellung der Gefäße mittels Kontrastmittel liefert vor dem operativen Vorgehen weitere Detailinformationen.
Sollten konservative Therapiemöglichkeiten einschließlich medikamentöser ergänzender Therapie versagen, wird man chirurgische Möglichkeiten diskutieren müssen:
perkutane transluminale Angioplastie (PTA): durch einen in das Gefäß eingebrachten Katheter wird der verengte Gefäßabschnitt aufgedehnt.
die schon seit Jahren durchgeführten Möglichkeiten des Gefäßersatzes (körpereigene Vene oder prothetischer Ersatz)
bei Versagen aller Möglichkeiten ist die Amputation der betreffenden Gliedmaßen oft die einzige Möglichkeit, Schmerzen zu lindern und weitere Komplikationen der Erkrankung (offene Beine, schwere Infektionen...) zu verhindern.

Wie bleiben meine Arterien fit?

Oberstes Ziel um eine AVK zu verhindern ist es Risikofaktoren auszuschalten. Hierzu gehören:

Außerdem ist körperliche Aktivität ein wesentlicher Bestandteil um eine AVK zu verhindern bzw. ihr Fortschreiten aufzuhalten. Jede Art von Sport kann hier helfen. Spazierengehen oder Fahrradfahren sind besonders zu empfehlen. Zu beachten ist allerdings daß Sie nicht mit Gewalt trainieren sollten. Gehen Sie nur solange bis die ersten Beschwerden auftreten. Machen Sie eine Pause bis die Beschwerden gänzlich abgeklungen sind. Erst dann sollten Sie weitertrainieren. Ansonsten kann es bedingt durch die Minderversorgung zu Gewebeschäden kommen.

Patienten, die an einer AVK leiden sollen besonders auf passendes, nicht zu enges, warmes Schuhwerk achten, um so Druckstellen und Hautläsionen zu verhindern. Bei der Kleidung ist es wichtig, daß keine einschnürenden Strümpfe getragen werden. Diese würden die Durchblutung zusätzlich behindern.
Um Durchblutungsschwankungen zu verhindern, sollen sowohl Kälte als auch übermäßige Wärme vermieden werden, also keine heißen Fußbäder oder Wärmflaschen und Heizdecken verwenden.
Bei der Pflege der Fußnägel sollen Verletzungen unbedingt vermieden werden, da sich diese in schlecht durchblutetem Gewebe sehr schnell entzünden können und ein Abheilen sehr langwierig und schwierig ist. Eine sorgfältige Fußhygiene, speziell im Zehenzwischenraum, soll verhindern, daß Erreger wie Pilze oder Bakterien zu Entzündungen führen.