Obstipation und Reizdarm
Darmbeschwerden und Probleme mit der Verdauung sind in der
westlichen Welt sehr weit verbreitet. Zumeist handelt es sich nicht um
ernsthafte Gesundheitsstörungen und nur selten findet sich
eine konkrete Ursache der Beschwerden. Die Mediziner sprechen in einem
solchen Fall von funktionellen Störungen. Diese sind aus
gesundheitlicher Sicht in aller Regel harmlos, können den
Betroffenen dennoch erhebliche Beschwerden bereiten.
Im Magen-Darm-Bereich betrifft dies vor allem die Darmträgheit,
auch als Verstopfung oder medizinisch als Obstipation bezeichnet. Auf
Befragen erklärt rund jeder fünfte hierzulande, hin
und wieder oder auch regelmäßig unter Verstopfung zu
leiden. Dabei stehen allgemeine Verdauungsbeschwerden und das
Gefühl, nicht ausreichend Stuhlgang zu haben, im Vordergrund.
Kommen Symptome wie Leibschmerzen bis hin zu kolikartigen Beschwerden,
Durchfälle (Diarrhoen) und das eventuell im Wechsel mit der
Obstipation, quälende Blähungen (Meteorismus) und
abgehende Winde (Flatulenz) sowie allgemeine Missempfindungen wie
Völlegefühl und eventuell auch übelkeit bis
hin zum Erbrechen hinzu, so sprechen die Mediziner von einem Reizdarm,
früher häufig auch als Colon irritabile bezeichnet.
Unabhängig davon sind in unserer Gesellschaft auch
Analbeschwerden weit verbreitet. Dahinter können sich
verschiedene Störungen verbergen. Am häufigsten sind
Hämorrhoiden sowie allgemeine Entzündungen des
Enddarms. Obstipation/Verstopfung Der Begriff der Obstipation
bezeichnet das zu seltene oder das erschwerte Absetzen von Stuhl bei
meist zu geringen Stuhlmengen. In der öffentlichkeit herrschen
zum Teil jedoch falsche Vorstellungen darüber vor, wie
häufig der Stuhlgang stattfinden müsse. Denn die weit
verbreitete Ansicht, "einmal täglich zu müssen", ist
aus medizinischer Sicht nicht haltbar. Medizinisch wird nur dann von
einer Verstopfung gesprochen, wenn es seltener als alle drei Tage zum
Stuhlgang kommt oder wenn die einzelnen Stuhlportionen sehr klein und
hart sind und die Stuhlentleerung mit Beschwerden verbunden ist.
Die Häufigkeit der Darmträgheit ist abhängig
vom Alter. So klagen nur wenige junge Menschen über
Verstopfung, doch bei den über 60-Jährigen geben
bereits 40 Prozent an, unter Stuhlproblemen zu leiden. Frauen sind
deutlich häufiger betroffen als Männer.
Beschwerden tauchen vor allem dann auf, wenn das Stuhlvolumen, das
durch den Flüssigkeitsgehalt des Stuhles bestimmt wird, gering
ist. Der normale Stuhl (Fäzes) hat einen Wassergehalt von 70
bis 80 Prozent. Steigt dieser auf 85 und mehr, so kommt es zu breiigen
Stühlen und zum Durchfall (Diarrhoe). Sinkt jedoch der
Wassergehalt auf etwa 60 Prozent, so resultiert ein harter
Obstipationsstuhl. Neben dem Flüssigkeitsgehalt ist die
Stuhlzusammensetzung von Bedeutung. Werden mit der Nahrung reichlich
Ballaststoffe verzehrt, so hat der Stuhl in aller Regel ein hohes
Stuhlvolumen. Denn Ballaststoffe binden viel Wasser. Sie
erhöhen so direkt das Stuhlvolumen und erleichtern die
Stuhlentleerung (Defäkation).
Obstipation– die Therapie
Aus der Tatsache, dass die Stuhlkonsistenz direkt vom
Stuhlvolumen abhängt, ergeben sich
Behandlungsmöglichkeiten durch allgemeine Maßnahmen.
Zum einen wird empfohlen, für eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr zu sorgen, also mindestens zwei bis drei
Liter Flüssigkeit täglich zu sich zu nehmen. Ratsam
ist außerdem eine faserreiche Kost, da Ballaststoffe das
Stuhlvolumen erhöhen. Sie sind vor allem in Vollkornprodukten
sowie in Obst und Gemüse enthalten. Weiße Mehle und
Fast Food sind dagegen faserarm. Menschen mit Stuhlproblemen wird
außerdem geraten, körperlich aktiv zu sein und sich
regelmäßig zu bewegen. Denn ständiges
Sitzen macht den Darm träge, während Bewegungsreize
die Darmpassage der Nahrung fördern und damit auch den
Stuhlgang stimulieren. Selbstverständlich sollte es
für Menschen, die zur Obstipation neigen, sein, für
eine regelmäßige Stuhlentleerung zu sorgen und nicht
den Stuhlgang einzuhalten, weil gerade keine "passende Zeit" ist oder
bei Stress und Hektik den Stuhldrang zu unterdrücken.
Läßt sich durch solche Maßnahmen alleine
keine ausreichende Besserung erzielen, so empfiehlt sich die
zusätzliche Zufuhr von Ballaststoffen wie Kleie, Leinsamen
oder Indische Flohsamenschalen (z.B. Mucofalk®), eine bestimmte
Wegerichart. Es handelt sich um natürliche pflanzliche
Ballaststoffe. Sie fördern den Stuhlgang, indem sie Wasser
binden und aufquellen. Durch die zusätzliche
Flüssigkeit und auch durch die Pflanzenfasern erhöht
sich das Stuhlvolumen erheblich und der Stuhl selbst wird geschmeidig,
die Defäkation ist erleichtert. Besonders stark
ausgeprägt ist die Wasserbindungskapazität der
indischen Flohsamenschalen, auch Plantago ovata genannt. Schleimsoffe
in Mucofalk legen sich außerdem schonend über die
Darmschleimhaut und erleichtern dadurch das Gleiten des Stuhles im
Darm. Parallel dazu bessert sich die Bakterienflora im Darm und es
kommt auch indirekt zu einer Verbesserung der normalen Darmfunktion.
In manchen Fällen sind solche Maßnahmen allerdings
nicht ausreichend und das gilt vor allem, wenn bereits jahrelang
Abführmittel eingenommen wurden. Verschiedene
Präparate werden in der Apotheke rezeptfrei abgegeben. Sie
sind in aller Regel ebenfalls pflanzlichen Ursprungs, wirken im Darm
jedoch völlig anders als die beschriebenen Quell- und
Ballaststoffe. Sie entziehen dem Darm Flüssigkeit und bewirken
über diesen Weg auch einen Verlust an Mineralstoffen
(Elektrolyte). Die Mediziner warnen noch aus einem anderen Grund vor
der regelmäßigen Einnahme von
Abführmitteln: Diese nämlich können auf
Dauer zur Gewöhnung führen, der Darm wird regelrecht
zur Trägheit "erzogen", das Grundproblem wird wie in einem
Teufelskreis verstärkt.
Helfen weder allgemeine Maßnahmen noch die Zufuhr von Quell-
und Ballaststoffen, so besteht die Möglichkeit zur Einnahme
eines Polyethylenglykol (PEG)- Präparates, das in Wasser
aufgelöst und getrunken wird. Es hält im Darm die
aufgenommene Flüssigkeit fest und
vergrößert so das Stuhlvolumen, ohne jedoch
gleichzeitig Flüssigkeits- und Elektrolytverluste zu
provozieren.
Reizdarm
Leibschmerzen, Völlegefühle, übelkeit und Stuhlunregelmäßigkeit, fast jedermann weiß, was das bedeutet und hat entsprechende Beschwerden bereits erlebt. Zumeist halten diese nur kurze Zeit an. Andererseits gibt es in den Industrienationen viele Menschen, die immer wieder über solche Symptome klagen und deshalb sogar den Arzt konsultieren. Finden sich bei entsprechenden Untersuchungen keine konkreten organischen Veränderungen, die die Beschwerden erklären, so ist von einer funktionellen Störung auszugehen. Stehen Darmbeschwerden im Vordergrund, so wird die Diagnose "Reizdarm" gestellt, man spricht auch von einem Reizdarmsyndrom. Neben den oben genannten Symptomen sind auch Meteorismus und Flatulenz typisch für das Reizdarmsyndrom ebenso wie ein Wechsel zwischen Durchfällen und Verstopfung und zum Teil ungewöhnlichen Unverträglichkeiten bei Nahrungsmitteln. Verantwortlich gemacht werden für die geschilderten Symptome in erster Linie Veränderungen der Darmbeweglichkeit (Motilität). Diese können durch unterschiedliche Faktoren bedingt sein, Stress und Nervosität können eine Rolle spielen, aber auch eine ungesunde Ernährung und mangelnde körperliche Bewegung. Außerdem scheinen Menschen mit Reizdarm eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit im Magen-Darm-Bereich aufzuweisen, sie nehmen allgemeine Missempfindungen und Schmerzen offenbar eher wahr als ihre Mitmenschen.
Reizdarm – die Therapie
Da die genauen Ursachen des Reizdarmes unbekannt sind, ist
eine kausale, also ein direkt heilende Behandlung nicht
möglich. Wichtig ist zunächst, dass dem Betroffenen
klar gemacht wird, dass es sich keinesfalls um eine ernste
Gesundheitsstörung handelt, die Leib und Leben bedroht. Mit
diesem Bewusstsein gelingt es oft, die Beschwerden gelassener zu
ertragen. In vielen Fällen bilden die Symptome sich dann mit
der Zeit spontan zurück. Gelingt dies nicht, so erfolgt eine
medikamentöse Behandlung, die sich im wesentlichen an den
typischen Symptomen orientiert. Stehen beispielsweise Beschwerden wie
Völlegefühle und Meteorismus im Vordergrund, so
können Medikamente verordnet werden, die die Darmbeweglichkeit
normalisieren. Ist eine Diarrhoe das Hauptsymptom, so kann mit
speziellen Mitteln die Darmtätigkeit gebremst werden. Ist
hingegen die Obstipation das Hauptproblem, so ist die Einnahme von
Quell- und Ballaststoffen (z.B. Mucofalk®) sinnvoll. Diese
erhöhen das Stuhlvolumen und fördern die
Stuhlentleerung (Defäkation). Deshalb ist auch generell
faserreiche Kost ratsam. Beim Reizdarm ist zudem auf eine
vernünftige Ernährung und eine möglichst
gesunde Lebensweise zu achten. Spezielle Diätregeln gibt es
nicht, doch sollte der Betroffene genau beobachten, welche
Nahrungsmittel ihm bekommen und solche Speisen meiden, auf die er
typischerweise mit Beschwerden reagiert.
übrigens ist der Darm ähnlich wie die Haut ein wenig
auch der Spiegel unserer Seele. Er nimmt uns Stress und Hektik und vor
allem psychische Belastungen übel und reagiert darauf leicht
mit Verdauungsbeschwerden. Deshalb ist allen Menschen mit Reizdarm zu
raten, auf eine möglichst stressfreie Lebensweise zu achten,
da sich dann die typischen Symptome sehr oft von alleine
zurückbilden. Ist es nicht möglich, den Stress und
die Belastungen zurückzudrängen, können
Entspannungsverfahren und möglicherweise auch eine gezielte
psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein.
Analbeschwerden
Nicht nur Darmprobleme und
Stuhlunregelmäßigkeiten, auch Analbeschwerden und
entzündliche Erkrankungen des Enddarmes quälen
zahllose Menschen in unserer heutigen Zeit. Als Enddarm wird der
Mastdarm (Rektum) und der Analkanal bezeichnet. Die einzelnen
Abschnitte können entzündlich verändert
sein. Am bekanntesten ist dies bei den Hämorrhoiden. Hierbei
handelt es sich um Blutgefäße, die den Analkanal wie
ein Polster auskleiden. Sie gewährleisten den Feinverschluss
des Afters, sorgen also dafür, dass kein Stuhl und keine Winde
ungewollt den After passieren. Wenn sich die Hämorrhoiden
vergrößern, können sie aus dem After
regelrecht heraus gedrückt werden. Schmerzhaft wird dies nur,
wenn gleichzeitig Entzündungsreaktionen auftreten. Dann kann
es zu einem unangenehmen Druckschmerz kommen, zu anhaltendem Stuhldrang
und zu Blutungen und man spricht von einem Hämorrhoidalleiden.
Betrifft die Entzündung den gesamten Mastdarm, so spricht man
von einer Proktitis. Charakteristische Beschwerden sind neben den
Schmerzen, die meist als dumpf oder stechend empfunden werden, ein
dauerndes Druckgefühl im After sowie Nässen, Brennen
und Juckreiz (Pruritus). Parallel dazu kommt es meist zu
häufigen Stuhlentleerungen.
Die Gründe für solche Entzündungsreaktionen
sind vielfältig. Teils kommt es zu mechanischen Verletzungen
etwa durch starkes Pressen beim Stuhlgang, teil spielen chemische
Irritationen zum Beispiel durch eine übertriebene Hygiene eine
Rolle, teils können auch Infektionen die Ursache sein.
Behandelt werden Entzündungen des Enddarmes mit Hilfe von
Salben sowie Zäpfchen oder Klysmen mit
entzündungshemmenden Wirkstoffen. Bewährt hat sich
auch der Wirkstoff Mesalazin, der auch bei den chronisch
entzündlichen Dramerkrankungen erfolgreich angewandt wird. Er
führt zu einem Rückgang der Entzündung und
damit zum Verschwinden der quälenden Symptome.
Unterstützend sind Sitzbäder mit
entzündungslindernden Komponenten (z.B. Kamillenextrakt)
ratsam.