Patienten-Ratgeber Herzinsuffizienz
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Was ist eine Herzinsuffizienz?
- 3. Wie funktioniert das gesunde Herz?
- 4. Was passiert bei einer Herzmuskelschwäche und wodurch entsteht sie?
- 5. Welche Formen der Herzinsuffizienz gibt es?
- 6. Woran merke ich, dass mein Herz geschwächt ist?
- 7. Welche Schweregrade der Herzinsuffizienz gibt es?
- 8. Wie findet mein Arzt heraus, dass ich eine Herzinsuffizienz habe?
- 9. Welche Medikamente muss ich einnehmen?
- 9.1 Diuretika
- 9.2 ACE-Hemmer
- 9.3 Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten
- 9.4 Betablocker
- 9.5 Digitalispräparate
- 10. Was muss ich bei der Medikamenteneinnahme beachten?
- 11. Was kann ich sonst noch tun?
- 11.1 Körpergewicht
- 11.2 Essen und Trinken
- 11.3 Körperliche Bewegung
- 11.4 Alkohol- und Nikotinkonsum
- 12. Was passiert bei einem Herzinsuffizienz-Notfall?
- 13. Wie stark darf ich mich belasten?
- 13.1 Sport
- 13.2 Reisen / Flugreisen
- 13.3 Geschlechtsverkehr
- 14. Warum wird manchmal ein Herzschrittmacher notwendig?
- 15. Was ist ein implantierbarer Defibrillator?
- 16. Herzinsuffizienz und Schwangerschaft
- 17. Muss ich mich impfen lassen?
- 18. Kann eine Herztransplantation nötig werden?
- 19. Habe ich Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis?
- 20. Welche Hilfe ist für Angehörige bei der Pflege möglich?
- 21.Schlusswort
1. Einleitung
Auf den folgenden Seiten finden Sie eine umfassende
Information zum Krankheitsbild der Herzschwäche. Wir
erklären in einer für den medizinischen Laien
verständlichen Form, wie es zu dieser Erkrankung kommt, welche
Krankheitszeichen zu beobachten sind und welche
Therapiemaßnahmen für Sie ggf. sinnvoll sind.
Letztendlich gehen wir auch auf Probleme im Alltag ein und stellen
Lösungen vor.
Bei den Behandlungsmaßnahmen zeigen wir, dass es neben der
medikamentösen Therapie auch zahlreiche andere
Maßnahmen gibt, um eine Herzmuskelschwäche
günstig zu beeinflussen. Allein durch das eigene Verhalten
können Betroffene maßgeblich mit dazu beitragen,
Beschwerden einer Herzinsuffizienz zu lindern und zu einem
möglichst normalen Leben zurückzufinden.
Dabei werden Sie feststellen, dass einige frühere Empfehlungen
überholt sind. So wurde Patienten mit Herzschwäche
bis vor wenigen Jahren noch empfohlen, sich körperlich strikt
zu schonen, sich möglichst nicht zu bewegen und in schweren
Fällen verordnete der Arzt sogar strenge Bettruhe. Dass so
kein normales Leben möglich ist, liegt auf der Hand.
Mittlerweile hat sich die Situation gewandelt und neuere Untersuchungen
sind zu anderen Ergebnissen gekommen. Diese haben wir hier
berücksichtigt.
Zu Ihrer Information können Sie entweder gezielt einzelne
Kapitel anwählen oder aber diesen Artikel komplett
herunterladen und lesen.
2. Was ist eine Herzinsuffizienz?
Die Herzinsuffizienz kann man auch als
Herzmuskelschwäche bezeichnen. Das geschwächte Herz
ist nicht mehr in der Lage, das Blut ausreichend im
Körperkreislauf kreisen zu lassen.
Das Blut gelangt durch die Blutgefäße, die eine Art
Rohrsystem bilden, in den Körper und zu den einzelnen Organen
und fließt von dort wieder zum Herzen zurück. Damit
es in diesem System kreisen kann, wird es vom gesunden Herzen mit Kraft
in das Gefäßsystem gepumpt. Während die
linke Herzhälfte die Aufgabe hat, das Blut in den
Körperkreislauf zu pumpen, ist die rechte Herzhälfte
dafür zuständig, das Blut in die Lungen zu
befördern, wo es mit Sauerstoff aufgeladen wird (siehe 3.).
Ist der Herzmuskel so stark geschwächt, dass er das Blut nicht
mehr ausreichend stark oder ausreichend schnell durch die
Blutgefäße kreisen lassen kann, kommt es zu einem
Blutstau „vor“ dem Herzen. Man spricht von einer
nicht mehr ausreichenden Herzkraft, einer Herzinsuffizienz.
3. Wie funktioniert das gesunde Herz?
Das Herz ist ein Muskel, der sich wie alle Muskeln anspannen
und entspannen kann. Das besondere am Herzmuskel ist, dass er die
Herzhöhlen umschließt, die mit Blut gefüllt
sind und in das Gefäßsystem des Körpers
übergehen (siehe 2).Dabei sind die rechte und die linke
Herzhälfte durch die Herzscheidewand voneinander getrennt.
Jede Herzhälfte besteht aus zwei Herzhöhlen (Vorhof
und Kammer). Zwischen Vorhof und Kammer und am Übergang zum
Gefäßsystem befinden sich die Herzklappen. Ist der
Herzmuskel entspannt, füllen sich die Herzhöhlen mit
Blut. Spannt er sich dann an, wird das Blut aus den Herzhöhlen
in das Gefäßsystem des Körpers bzw. der
Lunge gepumpt (siehe auch 2).
Diese Anspannungs- und Entspannungsphasen des Herzmuskels werden durch
viele ineinandergreifende Systeme gesteuert, die zum Teil innerhalb,
zum Teil außerhalb des Herzens liegen.
Damit der Körper immer ausreichend und der jeweiligen
Situation angemessen mit Blut versorgt werden kann, schlägt
das gesunde Herz so effektiv wie möglich mit optimalem
Kraftaufwand und in optimaler Geschwindigkeit.
4. Wodurch entsteht die Herzmuskelschwäche und was passiert, wenn das Herz geschwächt ist?
Viele Patienten wissen zwar, dass sie an Bluthochdruck oder
einer Herzkranzgefäßerkrankung leiden, wissen aber
nicht, dass diese und andere Erkrankungen das Herz über
längere Zeit so schädigen können, dass man
von einer Herzinsuffizienz, einer regelrechten
Herzmuskelschwäche reden muss.
Krankheiten, die den Herzmuskel auf Dauer schädigen,
können vom Herzen selber, vom
Blutgefäßsystem oder anderen Organen ausgehen. Die
häufigsten Ursachen sind:
- Herzkranzgefäßerkrankung,
- Bluthochdruck,
- Krankheiten, die den Herzmuskel oder die Herzklappen direkt angreifen (z.B. Entzündungen)
Wie unter 4. beschrieben, muss sich der Herzmuskel mit seinen
Anspannungs- und Entspannungsphasen an die sich ändernden
körperlichen Belastungen anpassen.
Herzschlagkraft und Schlaggeschwindigkeit verändern sich also
auch beim gesunden Herzen. Wird der Herzmuskel allerdings auf Dauer
durch andere Krankheiten überlastet, so können sich
auch die Muskelmasse und die Größe der
Herzhöhlen verändern. Muss das Herz, z.B. beim
Bluthochdruck, ständig gegen einen erhöhten
Widerstand im Körperkreislauf anpumpen, muss es also bildlich
gesprochen „Gewichte stemmen“, so vermehrt sich wie
bei anderen Muskeln auch die Muskelmasse. Dadurch gelingt es dem
Herzen, für einen Übergangszeitraum mit den
erhöhten Anforderungen fertig zu werden und den
Körper nach wie vor ausreichend mit Blut zu versorgen. Die
Folgen dieser ständigen Überforderung sind krankhaft
vermehrte Muskelmasse oder stark vergrößerte
Herzhöhlen. Das heißt: der kranke Herzmuskel hat
nicht nur seine Arbeitsweise, sondern auch seine Struktur
verändert, er ist zwar groß aber schwach.
Auch bei vielen Menschen, die an einer
Herzkranzgefäßerkrankung leiden, tritt irgendwann
eine Herzinsuffizienz auf. Wie alle anderen Organe des Körpers
muss auch der Herzmuskel über kleine
Blutgefäße mit Blut versorgt werden. Diese sind bei
der Koronaren Herzkrankheit (KHK) verengt. Dadurch wird der Herzmuskel
schlechter mit Blut versorgt. Das macht sich besonders dann bemerkbar,
wenn das Herz bei körperlicher Anstrengung kräftiger
schlagen muss.
Wie oben beschrieben sind Schlagkraft und Schlaggeschwindigkeit des
gesunden Herzens immer optimal an die Anforderungen des
Körpers angepasst. Bei Menschen mit
Herzrhythmusstörungen kann die Schlaggeschwindugkeit des
Herzens krankhaft verändert sein. Das Herz schlägt
dabei entweder dauerhaft zu langsam (weniger als 50
Schläge/min) oder zu schnell (öfter als 120
Schläge/min). Zudem schlägt das Herz oft
unregelmäßig. Alle Rhythmusstörungen
können allein oder kombiniert auftreten und zu einer
Herzinsuffizienz führen. Herzrhythmusstörungen
können im EKG oder im Langzeit-EKG festgestellt werden.
Als Folge dieser unterschiedlichen Grunderkrankungen ist das
geschwächte Herz nicht mehr in der Lage, das Blut
kräftig genug in das Blutgefäßsystem zu
pumpen. Gleichzeitig kann das Blut, das von den Organen zum Herzen
zurückkommt, nicht mehr schnell genug weitergepumpt werden. Es
staut sich „vor“ dem Herzen Blut an. Dieses Blut
staut sich bei Schwäche der linken Herzhälfte (Aufbau
des Herzens siehe 2.) in der Lunge, was zu Luftnot führt. Bei
Schwäche der rechten Herzhälfte bewirkt der
Rückstau in den Körperkreislauf Wassereinlagerungen,
sogenannte Ödeme. Häufig sind beide
Herzhälften betroffen.
5. Welche Formen der Herzinsuffizienz gibt es?
Die Herzmuskelschwäche wird nach ihrem zeitlichen Verlauf eingeteilt. Treten die Beschwerden plötzlich und stark, innerhalb von kurzer Zeit auf, so spricht man von akuter Herzschwäche. Die Zeichen der chronischen Herzmuskelschwäche dagegen entwickeln sich oft langsamer, meistens über Monate oder Jahre.
6. Woran merke ich, dass mein Herz geschwächt ist?
Ist der geschwächte Herzmuskel nicht mehr in der
Lage, durch Anpassung von Schlagkraft und Schlaggeschwindigkeit an die
körperliche Belastung (siehe 2. und 3.) das Blut im
Gefäßsystem kreisen zu lassen, passieren zwei Dinge:
Einerseits kann das Blut nicht mehr kräftig genug in das
Blutgefäßsystem gepumpt werden. Eine allgemeine
Leistungsminderung ist die Folge. Sie können sich nicht mehr
so stark belasten wie früher, bekommen unter der Belastung
Luftnot, und müssen beim Treppensteigen oder beim Spaziergang
Pausen einlegen.
Andererseits wird das Blut, das von den Organen zum Herzen
zurückkommt, nicht schnell genug weitergepumpt. Es kommt zum
Rückstau. Da die hier beschriebene Herzmuskelschwäche
vor allem eine Schwäche der linken Herzhälfte ist,
staut sich das Blut zunächst in der Lunge (siehe 3.). Auch das
verstärkt die Luftnot. Über einen Rückstau
in der rechten Herzhälfte setzt sich der Blutstau auch in den
übrigen Körperkreislauf fort. Dadurch kommt es zu
Wassereinlagerungen. Ihr Körpergewicht nimmt zu. Sichtbar
werden diese Wassereinlagerungen (Ödeme) zuerst an
Knöcheln und Fußrücken und später
am gesamten Unterschenkel und eventuell auch an den Händen. Ob
auch noch andere Organe von der Wassereinlagerung betroffen sind, kann
Ihr Arzt durch Befragung, körperliche Untersuchung,
Röntgenaufnahmen und Ultraschall herausfinden.
Frühzeichen einer Herzinsuffizienz, die Sie selber beobachten
können, sind also verminderte Belastbarkeit, Luftnot bei
schwerer Arbeit und Wassereinlagerungen an Knöcheln und
Fußrücken. Erst später kommen Luftnot bei
leichteren Tätigkeiten und Wassereinlagerungen an anderen
Körperstellen dazu.
Vielleicht gehören Sie auch zu den Patienten mit
Herzschwäche, die nachts häufig zum Wasserlassen
aufstehen müssen? Wenn sie waagerecht liegen, ist es
für Ihr Herz leichter das angestaute Blut wieder kreisen zu
lassen. Sofort versuchen die Nieren, die
überflüssigen Wassermengen, die jetzt nicht mehr
eingelagert und damit „versteckt“ sind,
auszuscheiden. Auch das ist ein typisches Zeichen der Herzinsuffizienz.
7. Welche Schweregrade der Herzinsuffizienz gibt es?
Die „New York Heart Association“ (NYHA),
eine Gesellschaft, die sich mit Herzkrankheiten befasst, hat die
üblicherweise verwendete Stadieneinteilung entwickelt.
NYHA Stadium I: Keine Beschwerden* bei normaler Belastung
NYHA Stadium II: Leichte Beschwerden* bei normaler Belastung,
Leistungsminderung
NYHA Stadium III: Erhebliche Leistungsminderung bei
gewöhnlicher Belastung
NYHA Stadium IV: Luftnot in Ruhe
*Beschwerden bedeuten hier Luftnot und Schwäche
Sie müssen bedenken, dass Sie sich im Stadium I zwar noch
nicht beeinträchtigt fühlen, Ihr Herz aber trotzdem
schon geschwächt ist. Dieser Aspekt ist wichtig für
die Medikamenteneinnahme. Auch wenn Sie sich relativ wohl
fühlen, Ihr Arzt aber eine Herzschwäche festgestellt
hat, ist es wichtig, dass sie Ihre Medikamente
regelmäßig und zuverlässig einnehmen um
einem Fortschreiten der Erkrankung entgegen zu wirken
8. Wie findet mein Arzt heraus, dass ich eine Herzinsuffizienz habe?
Wahrscheinlich werden Sie Ihren Arzt aufsuchen, weil Ihnen
aufgefallen ist, dass Ihre Beine öfter anschwellen, Sie sich
nicht mehr so stark belasten können oder öfter
Luftnot bekommen (siehe 6.). Vielleicht werden Sie schon wegen einer
der Erkrankungen, die zu einer Herzinsuffizienz führen
können, von Ihrem Arzt behandelt (z.B. Bluthochdruck,
Herzkranzgefäßerkrankung oder
Herzrhythmusstörungen – siehe auch 3.).
In einer Befragung kann Ihr Arzt herausfinden, ob der Verdacht auf eine
Herzinsuffizienz besteht und ob Sie an Krankheiten leiden, die zu einer
Herzinsuffizienz führen können. Der Verdacht muss
durch verschiedene Untersuchungen bestätigt oder widerlegt
werden. Körperliche Untersuchung, Ultraschalluntersuchung des
Herzens (Echokardiographie, UKG), Blutuntersuchung, wenn
möglich mit der Bestimmung von NT-pro-BNP (eine Bestimmung die
leider von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen
wird), Blutdruckmessung, EKG, ggf. Röntgenuntersuchung des
Brustkorbs und evtl. Lungenfunktionsprüfung. Je nach
Schweregrad ihrer Erkrankung, kann das Herz in einer einfachen EKG- und
Herzultraschalluntersuchung fast normal erscheinen. Da Ihr Arzt sich
aber auch ein Bild Ihres Herzens unter Belastung machen muss, kann ein
Belastungs-EKG wichtige Zusatzinformationen liefern. Sowohl EKG als
auch Ultraschall sind, selbst bei wiederholter Anwendung, schmerzfreie
und unschädliche Untersuchungen.
Wenn Ihr Arzt vermutet, dass Ihre Herzschlaggeschwindigkeit (ihr
Herzrhythmus) krankhaft verändert ist, wird er durch eine
24-stündige EKG-Untersuchung den Herzrhythmus weit besser
beurteilen können (dabei können sie das kleine
EKG-Gerät mit sich herumtragen und können sich frei
bewegen).
Die Ergebnisse dieser verschiedenen Untersuchungen
vervollständigen das Bild, das sich Ihr Arzt von Ihrer
Erkrankung machen kann. Erst dann kann er mit Sicherheit sagen, ob Sie
an einer Herzinsuffizienz leiden oder nicht, welche Vorerkrankungen
dazu geführt haben und ob noch weitere Untersuchungen (z.B.
Herzkatheter) empfehlenswert sind. Jetzt kann eine sinnvolle Behandlung
beginnen.
9. Welche Medikamente muss ich einnehmen?
Wenn Ihr Arzt feststellt, dass Sie an einer
Herzmuskelschwäche leiden, müssen Sie Medikamente
einnehmen. Machen Sie sich klar, dass Ihr Herz schon
geschädigt sein kann, auch wenn Sie noch keine Beschwerden
verspüren. Wenn Sie das bedenken, ist es leicht einzusehen,
dass Sie auch in beschwerdefreien Zeiträumen Ihre Medikamente
regelmäßig und zuverlässig einnehmen
müssen. Die Medikamente sollen helfen, einen
tödlichen Ausgang der Erkrankung zu verhindern, die
Schädigung des Herzmuskels aufzuhalten und ihn zu
kräftigen. Dadurch sollen Ihre Beschwerden möglichst
so zurückgehen, dass Sie Ihr gewohntes Leben zu Hause
weiterführen können. Die Wahl der Medikamente richtet
sich außerdem nach der Vorerkrankung, die bei Ihnen zur
Herzmuskelschwäche geführt hat. Wird die
Grunderkrankung behandelt, kann auch die Schädigung des
Herzens aufgehalten werden.
Die Medikamentengruppen, die bei der langsam einsetzenden
Herzmuskelschwäche gute, wissenschaftlich gesicherte
Ergebnisse gezeigt haben, sind:
Diuretika (z.B. Furosemid, Torasemid,
Hydrochorothiazid, Spironolacton)
Die sogenannten „Wassertabletten“
verstärken die Harnproduktion der Nieren. Dadurch gelingt es,
die eingelagerten, „versteckten“
Flüssigkeitsmengen (siehe 6.) zu verringern. Diuretika werden
gegeben, wenn Beschwerden auftreten, die mit der Wassereinlagerung in
Zusammenhang stehen (siehe 6.), z.B. Luftnot, Anschwellen der
Knöchel und Fußrücken oder eine schnelle
Zunahme des Körpergewichts. Mit der Flüssigkeit
können während der Behandlung mit Diuretika auch
Mineralstoffe des Blutes in großem Umfang ausgeschieden
werden. Das Fehlen von bestimmten Mineralstoffen kann den Herzrhythmus
negativ beeinflussen. Dass Sie häufiger Wasserlassen
müssen, ist vielleicht unangenehm, zeigt aber, dass die
Diuretika wirken und dass Ihr Herz entlastet wird.
ACE-Hemmer (z.B. Ramipril, Lisonopril,
Captopril,
Enalapril)
ACE-Hemmer verhindern das Voranschreiten der Herzschwäche und
lindern die auftretenden Beschwerden wie Luftnot und
Leistungsminderung. Sie sind in jedem Stadium der
Herzmuskelschwäche angezeigt. Auf das Voranschreiten der
Herzschwäche wirken ACE-Hemmer zwar sofort, ihre volle
Wirkkraft entfalten sie aber erst nach längerer Einnahme. Eine
kleinere Anfangsmenge sollte langsam gesteigert werden, bis die
sogenannte Zieldosis (die Menge die am optimalsten wirkt, ohne
Nebenwirkungen zu verursachen) erreicht ist. ACE-Hemmer sind
für Sie nicht geeignet, wenn sie an einer Verengung der
Blutgefäße der Niere leiden oder an einer
fortgeschrittenen Nierenschwäche. Als Nebenwirkung
können eine zu starke Senkung des Blutdrucks und trockener
Husten auftreten. Wenn Sie sich also plötzlich schwach oder
schwindelig fühlen oder ständig Husten
müssen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Candesartan, Irbesartan, Olmesartan, Telmisartan)
Die AT1-Antagonisten ähneln den
ACE-Hemmern sowohl in der Wirkweise als auch in den auftretenden
Nebenwirkungen. Nur Husten scheint bei den AT1-Antagonisten nicht
aufzutreten. Ob sie den ACE-Hemmern aber insgesamt überlegen
sind, ist noch unklar, da sie lange nicht so gut erforscht sind wie die
ACE-Hemmer. Bisher werden Sie angewandt, wenn ACE-Hemmer nicht
vertragen werden.
Betarezeptorenblocker (z.B. Metoprolol,
Bisoprolol,
Carvedilol)
Betablocker senken den Blutdruck und vermindern die
Herzschlaggeschwindigkeit und den Sauerstoffbedarf des Herzens. Dadurch
verhindern sie ein Voranschreiten der Herzschwäche.
Langfristig führen sie auch zu einer Verminderung der
Beschwerden. Diese können sich aber übergangsweise
kurzfristig verschlechtern. Betablocker können auch zu einer
Verengung der Bronchien führen, was bei Asthmapatienten einen
Asthmaanfall begünstigt.
Als Nebenwirkungen können Verlangsamung des Herzschlags und zu
niedriger Blutdruck auftreten. Betablocker können in allen
Stadien der Herzinsuffizienz gegeben werden (siehe 7.), allerdings
sollten sich die Patienten nicht in einer Phase der akuten
Verschlechterung befinden.
Digitalisglykoside (Digoxin, Digitoxin)
Der in diesen Medikamenten verwendete Wirkstoff wurde schon vor
über 200 Jahren aus dem Fingerhut (Digitalis) gewonnen. Es ist
ein bewährtes Medikament bei einer bestimmten Art von
Herzrhythmusstörungen. Über seine Wirksamkeit bei
Herzmuskelschwäche ohne Herzrhythmusstörungen ist man
sich nicht einig. Es hat sich gezeigt, dass Patienten, deren
Herzschwäche mit Digitalisglykosiden behandelt wurde, weniger
häufig wegen Verschlechterung der Erkrankung ins Krankenhaus
eingewiesen werden mussten. Die wichtigste Nebenwirkung dieses
Wirkstoffes entsteht durch die Beeinflussung des Herzrhythmus. Das Herz
kann dadurch unregelmäßig oder zu langsam schlagen.
Digitalisglykoside sollten bei den schwereren Stadien der
Herzmuskelschwäche eingesetzt werden, wenn ACE-Hemmer,
Diuretika und Betablocker die Beschwerden nicht lindern
können.
10. Was muss ich bei der Medikamenteneinnahme beachten?
Wie unter 7. und 9. Beschrieben, ist es wichtig, dass Sie die
Einnahme der Medikamente nicht davon abhängig machen ob es
Ihnen gut geht oder nicht. Denn auch wenn Sie nur wenig Beschwerden
haben, schreitet die Herzmuskelschwäche voran, wenn sie nicht
behandelt wird. Deswegen ist es wichtig, dass Sie Ihre Medikamente auch
in den beschwerdefreien Zeiträumen
regelmäßig und zuverlässig einnehmen.
Entwickeln Sie einen regelmäßigen Tagesablauf, in
dem die Medikamenteneinnahme ihren festen Platz hat. Lernen Sie die
Namen mit den dazugehörigen Stärkeangaben, die
Dosierung, und den Grund der Verordnung ihrer Medikamente. Tragen Sie
eine aktuelle Liste Ihrer Medikamente bei sich. Lassen Sie Ihre
Medikamentenvorräte nicht zu Ende gehen. Lassen Sie das Rezept
erneuern, wenn der Vorrat nur noch für zwei Wochen ausreicht.
Lassen Sie die Medikamentenverpackungen ordentlich beschriftet. Halten
Sie sie von Kindern fern.
Sollten Sie vergessen haben, Ihre Tabletten einzunehmen, nehmen Sie auf
keinen Fall am nächsten Tag eine größere
Menge ein. Dies gilt besonders für Betablocker und
Digitalisglykoside (siehe 9.).
Eine Ausnahme sind die Diuretika, die Wassertabletten. Hier kann es
sinnvoll sein, in Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt zu lernen, die Menge
der Wassertabletten an die Stärke der Beschwerden und an die
voraussichtliche körperliche Aktivität anzupassen
(siehe 9.1).
Verschlechtert sich Ihr Zustand unter der Einnahme von Medikamenten
oder treten Nebenwirkungen auf, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Kombinieren Sie nicht selbst mit weiteren Medikamenten! Sog.
nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Diclofenac) können die
Wirkung von ACE-Hemmern beeinträchtigen und Ihre
Nierenfunktion verschlechtern.
11. Was kann ich sonst noch tun?
Außer der Einnahme von Medikamenten gibt es noch andere Möglichkeiten, um die Zunahme Ihrer Beschwerden zu vermindern und Ihr Herz zu entlasten. Dazu gehören die Kontrolle Ihres Körpergewichts, Ihre Ess- und Trinkgewohnheiten, körperliche Bewegung und die Einschränkung bzw. Vermeidung von Alkohol und Nikotin.
11.1 Körpergewicht:
Übergewicht stellt eine Belastung für Ihr Herz dar.
Deswegen sollten Sie Ihr Normalgewicht anstreben. Es errechnet sich mit
der Faustregel:
Normalgewicht = Körpergröße in cm weniger
100
Plötzliche oder langsame Gewichtszunahme kann aber auch ein
Warnzeichen sein, dass Ihr Körper beginnt Wasser einzulagern.
Wiegen Sie sich deswegen täglich!
Wiegen Sie sich jeden Morgen, nach dem Aufstehen und Wasserlassen, vor
dem Frühstück. Wiegen Sie sich unbekleidet oder im
Nachthemd mit derselben Waage. Verstellen Sie die Waage nicht. Wichtig
ist die Gewichtsveränderung von Tag zu Tag. Notieren Sie die
Gewichte in ihrem Gewichtstagebuch, und bringen Sie dieses zu jedem
Arztbesuch mit.
Rufen Sie Ihren Arzt oder Ihren Pflegedienst an, wenn Sie 1 bis 2 kg in
2 bis 3 Tagen zunehmen.
11.2 Essen und Trinken:
Sie sollten auf jeden Fall auf eine salzarme
Ernährung achten
Verringern Sie den Kochsalzgehalt Ihrer Mahlzeiten. Zu viel Kochsalz in
der Nahrung kann eine Wassereinlagerung begünstigen und damit
die Herzinsuffizienz verschlechtern. Hier können Sie sich
einen Überblick über den Salzgehalt von
häufigen Lebensmitteln verschaffen:Sehr empfehlenswerte
Lebensmittel (salzarm)
(Natriumgehalt niedrig, max. 0,3 g Kochsalz/100 g Lebensmittel):
Milch, Joghurt, Quark, Ei, frisches Fleisch, Geflügel, Wild,
frischer Fisch, Nudeln, Reis, Getreideflocken, Kartoffeln, frisches und
tiefgekühltes Gemüse, Obst, alle streng natriumarmen
(=streng kochsalzarm) Speziallebensmittel, Mineralwasser mit einem
Natriumgehalt von unter 100 mg /kg (bzw. 0,01g/100ml)
Bedingt zu empfehlende Lebensmittel (mittlerer Salzgehalt)
(mittlerer Natriumgehalt, max. 1 g Kochsalz/100 g Lebensmittel):
Frischkäse, Schalen- und Krustentiere, geräucherte
Makrelen, Zwieback, Gebäck, Roggenmischbrot, Weizenbrot,
Gemüsekonserven, Gemüsesäfte
Zu vermeidende Lebensmittel (besonders salzhaltig)
(hoher Natriumgehalt, über 1 g Kochsalz/100 g Lebensmittel):
Salz- und Laugengebäck, Salzstangen, Cracker, Chips,
süßes Kleingebäck, Käse, Wurst
insbesondere Dauerwurst, Schinken roh und gekocht,
geräucherter Speck, Bündner Fleisch, Salzheringe,
Matjes, Fischkonserven ( bes. Anchovis), Sauerkraut, Salzgurken,
Oliven, Kapern, eingelegtes Essiggemüse, Ketchup, Senf,
fertige Salatsaucen, Fertiggerichte (Dosen, Tiefkühlkost),
Salz, Meersalz, Kräutersalz, Jodsalz, Natriumglutamat,
Gamasio, Würzmittel und Streuwürze (z. B.
Fertigprodukte in Gläsern, Beuteln, Tuben, Dosen etc.)
Wenn Sie an einer Herzschwäche leiden, ist es wichtig, die
erlaubte Trinkmenge mit Ihrem Arzt abzusprechen. Normalerweise sind 1-2
Liter erlaubt. Die Menge ist aber von Ihrer individuellen Situation und
dem Schweregrad Ihrer Herzschwäche abhängig.
11.3 Körperliche Bewegung
Bei Herzschwäche im Anfangsstadium ist ein
vorsichtiges
körperliches Training sinnvoll. Regelmäßige
Übungen, die das Herz allerdings nicht zu sehr belasten
dürfen, verbessern die Sauerstoffaufnahme im ganzen
Körper und entlasten und stärken dadurch auch das
Herz. Sie können auf Ihre Situation zugeschnittene
Übungen erlernen und diese dann auch zu Hause
weiterführen.
Wenn Ihr Herz zu stark geschwächt ist oder Sie vor kurzer Zeit
einen Herzinfarkt erlitten haben, dürfen Sie sich
körperlich allerdings nicht belasten;
11.4 Alkohol und Nikotinkonsum
Ist Ihre Herzschwäche durch eine Alkoholkrankheit entstanden,
müssen Sie in jedem Fall auf Alkohol verzichten, wenn Sie Ihr
Herz nicht noch mehr schädigen wollen.
Bei allen anderen Patienten sollte der Alkoholkonsum auf 20-30g/Tag bei
Frauen und auf 30-40g/Tag bei Männern reduziert werden.
30 g Alkohol sind enthalten in:
- Bier (5Vol% Äthanol) ca. 0,75 l
- Wein (10Vol% Äthanol) ca. 0,35 l
- Sherry (20Vol% Äthanol) ca. 0,2 l
- Schnaps (40Vol% Äthanol) ca. 0,1 l
Rauchen schädigt die Blutgefäße und trägt zur Entstehung der Herzkranzgefäßerkrankung bei. Dadurch verschlechtert sich eine bereits bestehende Herzmuskelschwäche. Auf das Rauchen sollten Sie in jedem Fall verzichten. Dabei können z.B. Nikotinpflaster helfen.
12. Was passiert bei einem Herzinsuffizienz-Notfall ?
Normalerweise entwickeln sich Luftnot und Beinödeme
bei einer Herzinsuffizienz langsam, über Tage und Wochen.
Gelegentlich kann jedoch auch sehr plötzlich starke Luftnot
auftreten. Dann sind die Ausgleichs- und Kompensationsmechanismen
ausgefallen, weil schnelles, oft unregelmässiges Herzrasen
oder eine Bluthochdruck-Entgleisung aufgetreten sind. Die Atmung
fällt zunehmend schwer, klingt feucht und rasselnd. Oft
besteht auch ein Druck in der Brust.
In solchen Situationen sollte der Notarzt gerufen werden, da sie sich
meist nicht von selber bessern. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
sollte der Patient geschont und aufrecht gelagert werden.
Falls Sie von Ihrem Arzt Nitro-Spray (Nitrolingual-Spray) bekommen
haben und der Blutdruck nicht zu niedrig ist (unter 120/...) dann
können Sie jetzt 2 Sprühstöße
davon nehmen.
Der Notarzt wird Ihre Situation besser beurteilen können, wenn
er Krankenunterlagen (z.B. Kopien der letzten Arztbriefe aus dem
Krankenhaus) und eine aktuelle Medikamentenliste einsehen kann.
13. Wie stark darf ich mich belasten?
Früher ging man davon aus, dass Sie sich mit einem
geschwächten Herzen auf keinen Fall belasten dürfen.
Das gilt heute grundsätzlich auch noch, beschränkt
sich aber auf die schweren Formen der Herzinsuffizienz und
gefährliche Vorerkrankungen wie starke Störungen des
Herzrhythmus oder ein vor kurzem erlittener Herzinfarkt. Solange sie
sich aber in einem Stadium befinden, in dem Sie zwar Beschwerden haben,
diese jedoch durch Medikamente in den Griff zu kriegen sind, kann eine
gut dosierte Belastung im Sinne von leichtem körperlichen
Training sogar gut für Ihr Herz sein. Ein solches Training
sollten Sie allerdings immer mit Ihrem Arzt absprechen! Das gleiche
gilt für starke Belastungen im Alltag und zusätzliche
Anstrengungen, wie z.B. Reisen. Es ist hilfreich, wenn Sie versuchen,
Ihre eigenen Belastungsgrenzen herauszufinden. Ihr Arzt kann sich
anhand einer Belastungs-EKG-Untersuchung ein Bild von Ihrer
Belastbarkeit machen (siehe 8.). Dabei wird durch Fahrradfahren eine
anstrengende Situation herbeigeführt. Unter dieser Anstrengung
beobachtet Ihr Arzt mit Hilfe von EKG und Pulsmessung Ihr Herz. Sie
selber sollten in dieser Situation herausfinden, ab welcher Belastung
Sie sich nicht mehr wohl fühlen bzw. wie es sich
anfühlt, wenn Ihr Herz zu schwer arbeiten muss. Dieses
Gefühl sollte Ihnen dann bei Alltagsbelastungen ein
Warnzeichen sein.
13.1 Sport:
Mäßiges aber regelmäßiges Bewegungstraining ( z.B. Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren) verbessert die Belastungsfähigkeit Ihres Körpers. Der Sauerstoff kann besser aufgenommen und verwertet werden, dadurch wird auch Ihr Herz entlastet und auf längere Sicht gestärkt. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt ob ein solches Training für Sie geeignet ist, oder ob irgend etwas in Ihrer speziellen Situation dagegen spricht. Für Patienten mit Herzkranzgefäßerkrankungen gibt es schon Sportgruppen, die von einem Arzt begleitet werden und auf die Erkrankung zugeschnitten sind. Solche Einrichtungen gibt es für Patienten mit Herzmuskelschwäche leider noch nicht.
13.2 Reisen / Flugreisen:
Prinzipiell ist gegen eine Reise nichts einzuwenden, wenn Sie es selber
nicht als zu große Belastung empfinden. Eine
zusätzliche Anstrengung durch eine Reise in Regionen mit hoher
Luftfeuchtigkeit oder hohen Temperaturen sollten Sie allerdings
vermeiden. Auch die dünne Luft in Höhenlage kann eine
zu große Belastung für Ihr Herz darstellen.
Kurze Flugreisen können sogar empfehlenswerter sein als eine
lange Reise mit dem Auto. Auf lange Flugreisen sollten Sie, besonders
wenn bei Ihnen eine schwerere Form der Herzschwäche vorliegt,
verzichten. Die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel im Bein bildet, das
beim Aufstehen die Lungengefäße verstopfen kann,
besteht für viele Fluggäste auf
Langstreckenflügen. Trockene Luft, die zu
Flüssigkeitsmangel führt, und langes Sitzen
erhöhen diese Gefahr noch. Ein solches Ereignis kann
lebensgefährlich sein. Patienten mit schwerer
Herzmuskelschwäche sind auf Langstreckenflügen
dadurch besonders gefährdet.
13.3 Geschlechtsverkehr
Geschlechtsverkehr ist möglich, sollte Sie jedoch nicht übermäßig körperlich belasten.
14. Warum wird manchmal ein Herzschrittmacher notwendig ?
Ein Herzschrittmacher kann sinnvoll sein, wenn Ihre Herzschlaggeschwindigkeit oder der Rhythmus Ihres Herzschlages gestört ist. Das gilt besonders für Zustände, in denen das Herz zu langsam schlägt oder sogar ganz aussetzt. In solchen Momenten kann der Herzschrittmacher Ihrem Herzen - bildlich gesprochen - eine kleinen Stoß versetzen und es wieder zu einer normalen Schlaggeschwindigkeit zurückführen. Das Ganze läuft ab, ohne dass Sie selber etwas davon spüren. Der Herzschrittmacher kann ein zu schnell schlagendes Herz aber auch bremsen. In jedem Fall wird das kleine Gerät direkt unter der Haut eingebaut. Von dort aus ragt ein dünner Schlauch bis in eine der Herzhöhlen hinein. Eine kurze und leichte Betäubung reicht in der Regel aus, um einen Herzschrittmacher zu legen.
15. Was ist ein implantierbarer Defibrillator?
Dieses Gerät kommt nur bei Patienten mit extrem schweren Störungen des Herzrhythmus zum Einsatz. Es löst bei lebensgefährlichen Aussetzern des Herzschlags einen Stromstoß aus, der das Herz wieder zum Schlagen bringen soll. Im Gegensatz zum Herzschrittmacher ist dieser Impuls deutlich spürbar. Der Patient wird durch ein lautes Signal gewarnt und sollte sich hinsetzen.
16. Herzinsuffizienz und Schwangerschaft
Auch bei Patientinnen im gebärfähigen Alter kann sich eine Herzschwäche entwickeln. In diesem Alter sind es vor allem Herzklappenfehler, die zu einer Herzmuskelschwäche führen. Wird die Herzklappe dann durch eine Operation ersetzt, kann sich das Herz wieder erholen. Trotzdem müssen meistens lebenslang Medikamente eingenommen werden. Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass eine Schwangere mit Herzmuskelschwäche mit Komplikationen rechnen muss. Solange Ihr Herz also deutlich geschwächt ist, sollten Sie eine Schwangerschaft vermeiden. Zur Verhütung ist es in dieser Situation sinnvoller, nicht zur „Pille“ zu greifen, sondern mit Kondom oder Diaphragma zu verhüten. Bei Patienten mit starker Herzschwäche steigt das Risiko, ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß der Beine zu entwickeln ( Thrombose ). Dieses kann bis in die Lungen geschwemmt werden und die Lungenblutbahn verstopfen. Die „Pille“ erhöht diese Risiko. Wenn Sie einen Herzklappenfehler haben, sollten Sie außerdem keine Spirale zur Schwangerschaftsverhütung einsetzen lassen.
17. Muss ich mich impfen lassen?
Wenn Sie an einer Herzmuskelschwäche leiden und gleichzeitig eine Infektionskrankheit durchmachen, stellt das für Ihr Herz und Ihren gesamten Körper eine zusätzliche Belastung dar. Deswegen wird herzgeschwächten Patienten empfohlen, sich gegen Influenza (=Grippe)-Viren und Pneumokokken (die u.a. eine Lungenentzündung verursachen) impfen zu lassen.
18. Kann eine Herztransplantation notwendig werden?
Eine Herztransplantation wird nur dann notwendig, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Dann allerdings kann ein neues Herz lebensrettend sein. Herztransplantationen werden in spezialisierten Krankenhäusern durchgeführt, den sogenannten Herzzentren. Stellt Ihr Arzt fest, dass Ihnen nur noch durch eine Herztransplantation geholfen werden kann, so müssen einige Voraussetzungen beachtet werden. Sie dürfen weder übermäßig Alkohol noch übermäßig Nikotin zu sich nehmen und keine anderen schweren Zusatzerkrankungen haben. Die Wartezeit für eine Herztransplantation beträgt in Deutschland zur Zeit mehrere Jahre.
19. Habe ich Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis ?
In dem Moment, wo Sie mehr und mehr auf fremde Hilfe angewiesen sind, kommt meistens auch ein Schwerbehindertenausweis in Frage. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob dies bei Ihnen der Fall ist und wo Sie einen solchen Ausweis beantragen können.
20. Welche Hilfen gibt es bei der Pflege?
Mit fortschreitender Herzschwäche und
fortschreitendem Alter, kann es sein, dass Sie auch bei
alltäglichen Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Ihr Arzt kann verschiedene Arten von Hilfe für Sie und
helfende Angehörige beantragen.
Ambulante Hilfe:
Helfer von Sozialstationen, ambulanten Pflegediensten u.a.
Einrichtungen kommen zu Ihnen nach Hause und helfen Ihnen bei
gezielten, vorher vereinbarten Verrichtungen.
Tagespflege:
Wenn sich Ihre Angehörigen zwar abends und am Wochenende um
Sie kümmern können, Sie aber in der verbleibenden
Zeit nicht allein zurechtkommen, können Sie den Tag in einer
Tagespflegeeinrichtung verbringen. Abends und am Wochenende kehren Sie
dann zu Ihren Angehörigen zurück.
Kurzzeitpflege:
Wenn Sie nur vorübergehend nicht mehr zu Hause oder bei Ihren
Angehörigen wohnen können, weil diese z.B. verreist
sind, so können Sie auch übergangsweise in einem Heim
wohnen und nachher wieder nach Hause zurückkehren.
Heimpflege:
Manchmal kann es sein, dass Sie trotz unterschiedlicher Hilfen zu Hause
nicht mehr zurechtkommen. Dann können Sie in ein Pflegeheim
umziehen. Dort kümmert man sich zum einen um Ihre Erkrankung,
zum anderen werden Sie in Programme mit anderen Patienten integriert,
die die Selbständigkeit und die körperliche
Beweglichkeit fördern, oder einfach nur Spaß machen
sollen.
21.Schlusswort
Die Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung, die immer häufiger auftritt, weil die Lebenserwartung der Bevölkerung zunimmt. Anders ausgedrückt: Je älter man wird, desto wahrscheinlicher wird das Risiko an Herzschwäche (und anderen “Alters-Krankheiten”) zu erkranken. Moderne Untersuchungen und Medikamente ermöglichen eine frühe Erkennung und gezielte Behandlung der Herzschwäche mit dem Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Patientenleitlinie einen Weg zu einem besseren Krankheitsverständniss gezeigt haben.