Evidenzbasierte Empfehlungen zur Ernährung bei Diabetes mellitus der American Diabetes Association (ADA)

Ziele der Ernährungstherapie

1. Optimale Stoffwechseleinstellung:

2. Prävention und Behandlung chronischer Komplikationen wei Dyslipidämie, Adipositas, KHK, Hypertonie, Nephropathie durch gesunde Ernährung und Lebensführung (Sport).

3. Berücksichtigung individueller Wünsche des Patienten bezüglich der Ernährung und Lebensführung.

Kohlenhydrate

Vollkornprodukte, Früchte, Gemüse und fettarme Milch sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Wichtig dabei ist die täglich aufgenommene Gesamtmenge. Saccharose erhöht den Blutzucker nicht mehr als Stärke und muss nicht eingeschränkt werden. Trotzdem sind andere Kohlenhydrate wertvoller. Nach Saccharose-Aufnahme ist eine Blutzucker-Kontrolle empfehlenswert. Süßstoffe müssen nicht eingeschränkt werden.
Insulinspritzende Patienten sollten die Insulindosis vor dem Essen an die Kohlenhydrat-Menge anpassen.
Bis jetzt ist nicht ausreichend belegt, dass eine Diät mit niedrigem glykämischem Index als primäre Strategie langfristig vorteilhaft ist. Ballaststoffreiche Ernährung ist empfehlenswert, allerdings sollten die Mengen nicht den Tagesbedarf gesunder Personen überschreiten. Diabetiker mit fixen Insulindosen sollten versuchen, täglich ähnliche Kohlenhydrat-Mengen zu sich zu nehmen.
Kohlenhydrate und einfach ungesättigte Fettsäuren sollen zusammen 60 bis 70% der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen. Die Fettaufnahme sollte sich an Stoffwechselwerten und Körpergewicht orientieren.

Proteine

Bei gut eingestellten Typ-2-Diabetikern erhöht die Proteinaufnahme den Blutzuckelspiegel nicht.
Für Diabetiker mit nicht optimal eingestelltem Blutzucker, scheint ein hoher Proteinanteil in der Nahrung von Vorteil zu sein, allerdings sollte der Anteil nicht mehr als 20% der täglichen Kalorienzufuhr betragen.
Die übliche Proteinzufuhr von 15 bis 20% der täglichen Kalorienzufuhr muss bei normalen Nierenfunktion nicht modifiziert werden.
Der Langzeiteffekt einer proteinreichen und kohlenhydratarmen Diät ist bisher unklar.

Fette

* Gesättigte Fettsäuren sollten weniger als 10% der täglichen Kalorienaufnahme ausmachen, in einigen Fällen (bei LDL-Cholesterin über 100 mg/dl) weniger als 7%.

* Die Cholesterin-Aufnahme sollte unter 300 mg/D betragen, in einigen Fällen (LDL-Cholesterin über 100 mg/dl) unter 200 mg/d.

* Um das LDL-Cholesterin zu senken, kann die Aufnahme gesättigter Fettsäuren reduziert werden oder durch Kohlenhydrate oder ungesättigte Fettsäuren ersetzt werden.

* Die Aufnahme ungesättigter Trans-Fettsäuren sollte reduziert werden.

* Langfristige fettreduzierte Diäten führen zu moderatem Gewichtsverlust und Verbesserung einer Dyslipidämie.

* Die Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren sollte etwa 10% der täglichen Energieaufnahme ausmachen.Adipositas

Bei Diabetikern mit Insulinresistenz kann eine verminderte Kalorienaufnahme und eine Gewichtsabnahme Insulinresistenz und Blutzucker verbessern.
Diäten zur Gewichtsabnahme haben langfristig keinen Erfolg, wenn der Lebensstil nicht geändert wird.
Strukturierte Programme mit Diabetes-Schulung, fett- und kalorienreduzierter Diät, körperlicher Aktivität und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen können langfristig zu einem Gewichtsverlust von 5 bis 7% führen.
Sport und Verhaltenänderungen sind in Verbindung mit Diät und anderen Strategien zur Gewichtsabnahme nützlich. Sport hilft das reduzierte Gewicht zu halten.
Mikronährstoffe
Es existieren keine eindeutigen Hinweise daraus, dass Patienten ohne Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen von deren zusätzlicher Einnahme profitieren. Ausnahmen: Folsäure-Einnahme bei Schwangeren und die Kalzium-Zufuhr zur Prävention einer Osteoporose.
Eine routinemäßige Nahrungsergänzung mit Antioxidanzien ist nicht empfehlenswert, da langfristiger Nutzen und Sicherheit nicht geklärt sind.
Alkohol
* Diabetikerinnen sollten pro Tag höchstens ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen,
* Diabetiker höchstens zwei. Um das Hypoglykämie-Risiko zu senken, wird empfohlen, dazu etwas zu essen.
Diabetes-Prävention

Familienmitglieder von Typ-2-Diabetikern sollten regelmäßig Sport treiben, um das Diabetes-Risiko zu verringern. Adipöse Patienten sollten außerdem ihr Gewicht reduzieren und auf eine gesunde, fettreduzierte Ernährung achten.