CAROTISSTENOSE
Als Carotisstenose wird eine Einengung (= Stenose) der
großen Halsschlagader (Arteria carotis) bezeichnet. In den
meisten Fällen liegt dem Gefäßes im Rahmen
der Arteriosklerose eine lumeneinengende Verkalkung zu Grunde.
Die Carotisstenose ist eine Erkrankung der zweiten
Lebenshälfte. Die Prävalenz relevanter Stenosen liegt
in der älteren Bevölkerung bei 3%.
Das Hauptrisiko besteht in der Auslösung eines Schlaganfalls
(Apoplex), der in ca. 40% der Fälle tödlich
verläuft. Durch Verminderung der Blutversorgung des Gehirns
auf Grund der Stenose oder durch Ablösung von an der Stenose
entstandenen Gerinnseln mit konsekutiver Verstopfung nachgeschalteter
Hirngefäße (Embolie) kommt es zur
ischämischen Nekrose unterschiedlich großer
Hirnareale mit den entsprechenden Funktionsausfällen. Nach
heutigen Erkenntnissen sind ca. 60% der Schlaganfälle durch
Veränderungen der hirnversorgenden Gefäße
verursacht.
Jährlich werden etwa 150.000 Patienten wegen eines
Schlaganfalls in deutschen Krankenhäusern behandelt. 40% der
überlebenden Apoplexpatienten bleiben schwer behindert und
benötigen dauerhafte häusliche Pflege.
Die langsame Entwicklung einer Stenose der A. carotis interna
kann symptomlos bleiben (Stadium I). Dann liegt das Risiko, einen
Apoplex zu erleiden, bei 5% jährlich, unter maximaler
konservativer Therapie bei 2%.
Eine symptomatische Carotisstenose (Stadium II)
äußert sich in vorübergehenden
Ausfallserscheinungen ("kleiner Schlaganfall", transiente
ischämische Attacke, TIA), wie z.B. einer kurzzeitigen, in der
Regel < als 1 Stunde dauernden Lähmung eines Armes
und/oder Beines oder von Sehstörungen
(Gesichtsfeldausfälle). Das Risiko eines manifesten
Schlaganfalls im darauffolgenden Jahr liegt dann bei 15%.
Das Stadium III beinhaltet den frischen manifesten Apoplex, das Stadium
IV einen abgelaufenen Schlaganfall mit bleibenden Schäden
unterschiedlicher Ausprägung.
In Deutschland werden jährlich etwa 150.000 Patienten wegen
eines Schlaganfalls stationär behandelt. Etwa 60 % sind durch
Gefäßstenosen der extracraniellen
Hirngefäße bedingt. 40 % der Schlaganfälle
verlaufen tödlich. Die Prävalenz von
höhergradigen Carotis-Stenosen bei der älteren
Bevölkerung liegt bei 3 %. Es werden vier Stadien
unterschieden, Stadium I ist asymptomatisch. Die Apoplexie-Rate liegt
hier bei 5 % und unter maximal konservativer Therapie bei 2 %
jährlich. Das Stadium II ist symptomatisch. Es findet sich
eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) oder ein
prolongiertes ischämisches neurologisches Defizit (PRIND). Die
Apoplexie-Rate wird mit etwa 15 % angegeben. Im Stadium III befinden
sich Patienten mit akutem Apoplex, als Stadium IV bezeichnet man den
abgelaufenen Insult.
Die Diagnostik stützt
sich im Wesentlichen auf die farbcodierte Duplex-Sonographie der
extracraniellen Gefäße. Diese ermöglicht
uns, neben der Beurteilung und Quantifizierung des Stenosegrades, die
Ausdehnung des obliterierenden Gefäßprozesses genau
zu lokalisieren und auch eine mögliche Atheromatose bzw.
exulcerierende Plaques darzustellen. Auch ein exulcerierender Plaque
kann Thrombemboliequelle sein und stellt eine OP-Indikation dar.
Gegebenenfalls muß die Diagnostik mit einer angiographischen
Darstellung der supraaortalen äste in DSA-Technik mit
intravenöser Konstrastmittelgabe ergänzt werden. Eine
craniale Computertomographie wird bei symptomatischer Carotis-Stenose
bzw. bei abgelaufenem Insult durchgeführt. In speziellen
Fragestellungen wird die Diagnostik mittels der transcraniellen
Doppler-Sonographie ergänzt.
Im Stadium I wird der Vorteil einer Operation bei
höhergradigen, mehr als 80 %igen Stenosen mittlerweile durch
zahlreiche Studien belegt. Dadurch kann die Apoplexie-Rate in diesem
asymptomatischen Stadium auf 1 % pro Jahr gesenkt werden. Im Stadium II
liegt die Apoplexie-Rate in der operierten Gruppe bei 9 %,
gegenüber 26 % bei den nicht operierten Patienten.
Im Stadium III können sich die neurologischen Defizite bei
etwa 50 % der Patienten bei einem operativen Eingriff innerhalb der
ersten 4 bis 6 Stunden, zurückbilden, jedoch findet sich eine
hohe operative Letalität mit 9 %.
Im Stadium IV, bei abgelaufenem Insult ohne Nachweis einer
Bluthirnschrankenstörung in der Computertomographie, ergibt
sich eine Operationsindikation bei filiformer Stenose etwa nach zwei
bis drei Wochen nach Ereignis, bei Nachweis einer
Schrankenstörung und anschließend erneuter Kontrolle
in der Computertomographie etwa nach 4 bis 6 Wochen Wartezeit.
Eine gesicherte Indikation zur Operation besteht:
im asymptomatischen Stadium bei einer 80 %igen oder
höhergradigen Carotisstenose
im symptomatischen Stadium II und
nach abgelaufenem Insult im Stadium IV.
Zwei operative Verfahren: die Eversionsendarteriektomie und
die offene Thrombendarteriektomie mit Patch-Plastik. In beiden
Verfahren wird der stenosierende Kalkzylinder einschließlich
ggf. vorhandener Kalkplaques im Bereich der Bifurkation und des Abgangs
der Arteria carotis externa und interna entfernt.
Bei der offenen Thrombendarteriektomie erfolgt die Inzision im Bereich
der Arteria carotis communis und setzt sich über die
Bifurkation in die Arteria carotis interna fort. Der Stenosezylinder
wird ausgeschält und anschließend erfolgt die
Rekonstruktion der Gefäßstrombahn mit einer
Patch-Plastik. Als Patch verwendet man heutzutage Kunststoffmaterial.
Bei der Eversionsthrombendarteriektomie wird die Arteria carotis
interna im Bereich der Bifurkation direkt durchtrennt, durch
Umstülpen des Gefäßes kann der
stenosierende Gefäßabschnitt ausgeschält
werden, ebenso erfolgt eine Ausschälung im Bereich der
Bifurkation. Es erfolgt dann die direkte Rekonstruktion durch
Reimplantation der Arteria carotis interna in den Gabelbereich ohne
Verwendung von Fremdmaterial.
In den letzten Jahren wurde die Möglichkeit einer
interventionellen Angioplastie und Stentimplantation entwickelt.
Die stationäre Aufenthaltsdauer beträgt etwa
fünf Tage. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Eine
praeoperative Eigenblutspende ist nicht erforderlich.
Postoperativ Kontrolle mit der
farbcodierten Duplex-Sonographie, zunächst in sechsmonatigen
Abständen. Dabei muss auch die kontralaterale Seite mit
untersucht werden, um die eventuelle Entwicklung neuer Stenosen
rechtzeitig zu erkennen.
Besonders wichtig ist neben einer gesunden Lebensweise eine
möglichst optimale Einstellung aller angehbarer Risikofaktoren
(arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes
mellitus us.w.) unter entsprechender regelmäßiger
Kontrolle, ferner Hemmung der Blutplättchenfunktion mit
Acetylsalicylsäure (ASS) in einer Dosierung von 100 mg/die, in
manchen Fällen alternativ mit Clopidogrel 75 mg.